„Jeder ist wichtig“ – Künstlerin Wiebke Wilms im Interview

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„Jeder ist wichtig“ – Künstlerin Wiebke Wilms im Interview

15. März 2019

Die Leipziger Buchmesse zeigt jedes Jahr: Literatur und Bildung sind nicht voneinander zu trennen. MUTIK will 2019 in Leipzig künstlerisch-kreative Ansätze erlebbar machen. Unterstützt werden wir dabei von der Bildenden Künstlerin Wiebke Wilms. Ihre Methode ist das Collagieren: Ob bedrucktes Papier, Holz, Folien oder Plexiglas – aus den unterschiedlichsten Materialien fügt sie ein neues Ganzes zusammen und entwickelt dabei eigenwillige Gebilde. Solche entwickelt sie auch partizipativ, zum Beispiel bei Projekten mit den Schüler*innen von Kulturagenten-Schulen.

Du hast schon mehrmals mit dem Thüringer Kulturagentenprogramm zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?

Ich hatte bereits seit längerem immer wieder vom Kulturagentenprogramm gehört und war daher umso erfreuter, als mich Thomas Kirchner, Kulturagent für die Region Nordthüringen, für ein künstlerisches Projekt in einer Schule im ländlichen Raum anfragte. Hierbei habe ich rasch gemerkt, dass mir die Arbeit mit Schüler*innen liegt und meine Arbeit als freischaffende Künstlerin bereichert. Seitdem habe ich im Kulturagentenprogramm viele unterschiedliche Kunstprojekte mitentwickelt. Die Durchführung war für die Teilnehmenden und für mich immer wieder spannend und reich an Erfahrungen.

Mit welchen Programmschulen hast du bisher Projekte umgesetzt?

Bisher fanden Kunstprojekte mit der Regelschule „Käthe Kollwitz“ und dem Herdergymnasium in Nordhausen statt, außerdem mit der Gemeinschaftsschule Menteroda und der Gemeinschaftsschule Rodeberg.

Vor dem fertigen Kunstwerk steht die gemeinsame Arbeit mit den Schüler*innen. Was ist dir dabei wichtig?

Es ist mir wichtig die Schüler*innen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer individuellen Bildideen zu unterstützen und sie zu ermutigen, auch mal experimentelle Wege zu gehen und eigene künstlerische Lösungen zu finden. Aus diesem Grund liegen mir vor allem Einzelgespräche am Herzen, um durch gemeinsames Hinterfragen eigene künstlerische Potentiale zu entdecken und einzusetzen. Gleichzeitig schaffen meine Projekte oft auch ein Gemeinschaftserlebnis, indem beispielsweise die entstandenen Einzelarbeiten zu einem alles vereinenden Gesamtkunstwerk zusammengebracht werden. So wird für die Schüler*innen auf künstlerische Weise erfahrbar: Jeder wirkt auf die Gemeinschaft ein. Jeder ist wichtig.

Bestimmt gab es dabei viele schöne Erlebnisse …

Für mich ist es jedes Mal schön, wenn das Projektergebnis präsentiert wird und die Teilnehmenden glücklich und stolz auf ihr geschaffenes Kunstwerk sind. Eindrücklich erinnere ich mich an einige Situationen, in denen Lehrer*innen nach Abschluss des Projekts mit mir das Gespräch suchten, um mir mitzuteilen wie erstaunt sie über die künstlerische Begabung und das veränderte Verhalten eines Kindes sind, das im Unterricht sonst eher negativ auffällt oder anderweitig Probleme macht. Ich freue mich, wenn diese Kinder die Gelegenheit bekommen, neue Seiten an sich selbst kennenzulernen.

Das Kulturagentenprogramm macht sich für künstlerische Erfahrungen im Schulalltag stark. Welche Bedeutung hat Kreativität in Schule aus deiner Sicht?

Ich empfinde Kreativität im Leben als unglaublich wichtig! Es bedeutet, frei fühlen und denken zu können. Dadurch werden Zusammenhänge erkennbar, Veränderungen denkbar und Neues kann geschaffen werden. Mit Kultureller Bildung können Kompetenzen des menschlichen Lebens erfahrbar gemacht werden, die im herkömmlichen Schulunterricht schwer zu vermitteln sind – beispielsweise die Erfahrung gemeinsam als Gruppe ein großes Kunstwerk zu schaffen.

Zu guter Letzt: Was erwartet die Besucher*innen am MUTIK-Stand auf der Leipziger Buchmesse?

Über den gesamten Messezeitraum hinweg entsteht ein partizipatives Kunstwerk unter dem Slogan „Kunst macht mutig“. Alle Besucher*innen sind eingeladen, am MUTIK-Stand aus einer Fülle an Materialien individuelle Papiercollagen anzufertigen, wobei ich gerne mit Rat und Tat zur Seite stehe. Diese Collagen werden dann an eine Wand angebracht. Durch jeden einzelnen Beitrag wächst somit ein Kunstwerk heran, bei dem Größe, Form und Ausdruck durch den Prozess bestimmt werden. Ich freue mich auf rege Beteiligung, anregende Gespräche und das, was entstehen wird.

MUTIK ist noch mit weiteren Workshops vor Ort in Leipzig – mehr dazu hier.

  • Johannes Tödte

    Johannes Tödte